Programm

Ficus

Zweiteilig-abstruser Opernabend

Der Standard, Stefan Ender

Leonard Prinsloo hat das wilde Treiben seiner Kollegen klischeefreudig in Szene gesetzt: Der Theaterregisseur (Alexander Kaimbacher) trägt einen Schal und säuft, der taffe Filmregisseur (Dieter Kwschendt-Michel) aus den USA trägt Baseballkäppi. Fein, dass Kaimbacher glaubhaft outrieren kann, wundervoll auch Laura Schneiderhan als Milva-hafte Advokatin der Passion. Tim Severloh ist als Sängeropfer der dreifaltigen Regiemacht eine Idealbesetzung, und Anna Sushon koordiniert Eötvös‘ übersichtlichen Musikpart entspannt vom Keyboard aus. Da hat Walter Kobéra mit dem amadeus ensemble-wien zuvor bei Gerhard Schedls Der Ficus spricht mehr zu tun: In der amüsanten Abstrusität erfreut der 2000 verstorbene Komponist mit einem bunten Strauß an Stilen von Walzeranklängen bis zum Jazz; im Libretto von Franzobel ist der Weg von der Wahrheitssuche zum Wichsen kein weiter. Premierenapplaus für alle, nicht zu vergessen Wolfgang Resch, der als Volkssänger glänzend unterhält, und Eötvös. 

Wiener Zeitung, Lena Drazic

Eine Frau und ein Mann rezitieren sinnentleerte Verse, während sie Körperteile zu Kleidungsstücken erklären und Wortspiele in anzügliche Handlungen übersetzen: Willkommen bei "Ficus", einem Abend der Neuen Oper Wien, der im Werk X zu erleben ist. (…) Am Schluss der Sterbeszene liegt der Darsteller stranguliert am Boden - und die Oper in Trümmern. Ein durchaus amüsanter Tod.

Kurier, Susanne Zobl

Wie man mit Musiktheater beeindrucken kann, zeigt die Neue Oper Wien mit Gerhard Schildes „Der Ficus spricht“ und „Radames“ von Peter Eötvös, die Dirigent Walter Kobéra und Regisseur Leonard Prinsloo im Werk X zu einem 85minütigen Stück amalgamierten. (…) Die Ballade „Das Lied vom Glück des einen ist des anderen Pech“, die Gerhard Resch formidabel in Brecht’scher Manier vorträgt, vermittelt Trost in der Trostlosigkeit des Seins. (…) Die Vielschichtigkeit seiner (Gerhard Schildes, Anm.) Musik machte Kobéra mit seinem amadeus ensemble sinnlich hörbar. (…) Eötvös reduziert das Orchester auf Synthesizer, Saxofon und Tuba. Vom Sänger-Ensemble blieb nur der Countertenor (Tim Severloh) den drei Regisseure (Kaimacher, Laura Schneiderhan und Dieter Kschwendt-Michel) in der Sterbeszene von „Aida“ eindrucksvoll in den Tod hetzen.