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Triptychon

Gerhard Schedl

"Pierre et Luce", "Kontrabass" & "S.C.H.A.S." // Libretti von Attila Böcs & Gerhard Schedl nach Romain Rolland, Siegfried Pitschmann & H. C. Artmann // Halle G im Museumsquartier, Wien

Musikalische Leitung
Walter Kobéra
Inszenierung
Johannes Erath
Bühne
Stefan Heinrichs
Kostüme
Susana Mendoza
Lichtdesign
Norbert Chmel
Dramaturgie
Alexandra Noël

Pierre et Luce

Libretto von Attila Böcs nach einer Erzählung von Romain Rolland

Luce
Isabel Marxgut
Pierre
Alexander Kaimbacher

Kontrabass

Libretto von Attila Böcs nach einer Erzählung von Siegfried Pitschmann

Der Junge
Gernot Heinrich
Das Mädchen
Isabel Marxgut
Silbermann
Andreas Jankowitsch
Silbermann
Gerhard Karzel

S.C.H.A.S.

Libretto von Gerhard Schedl nach dem Gleichnis "Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!" von H. C. Artmann

Stephanie, süßes Madl
Heidi Manser
Herr Lackl, Wiener
Andreas Jankowitsch
Herr Josef, Kellner
Gernot Heinrich
Cafétière Kriebaum
Marianne Chappuis
Teuxl Pfui
Johannes Schedl
Engel Sauber
Tobias Fend
Adolphus H. (Hitler)
Michael Zabsky
Moses, Stehgeiger
Eugeniy Chevkenov

amadeus ensemble-wien

Kurztext

„Musik ist eine Sucht“ – 2007 wäre Gerhard Schedl 50 Jahre alt geworden. Wie kaum ein anderer verstand er es, den Zuhörer im Musiktheater in vergangene Klangwelten zu versetzen, ohne dabei seine eigene Musiksprache in den Hintergrund rücken zu lassen. Das „Triptychon“ – drei Einakter mit Sängern und Schauspielern sowie unterschiedlichsten Orchesterbesetzungen – entstand zwischen 1982 und 1989. Kernstück ist der für den Dresdner Carl Maria von Weber-Wettbewerb komponierte und dort ausgezeichnete „Kontrabass“. Er wird umrahmt von der lyrischen Kammeroper „Pierre et Luce“ und vom skurrilen Musiktheater „S.C.H.A.S.“ nach H.C. Artmanns Gleichnis „Erlaubent, Schas, sehr heiß, bitte“. Gerhard Schedl lässt musikalisch vergangene Zeiten wieder aufleben: Paris zur Zeit des ersten Weltkriegs, Dresden nach dem zweiten Weltkrieg und Wien in den 80er Jahren.

Doch „Triptychon“ ist nicht nur musikalisch ein Werk der absoluten Extreme. Im Verlauf der drei Stücke zerfällt in einem nahezu unfassbaren Bogen alles: Die Sinnsuche wird zu sinnentleerter Banalität; die Utopie von Liebe, Nähe, innerem Frieden und großer Hoffnung gerät zu kalter Ignoranz und totalem Desinteresse; tiefe innere Gefühle werden zu dummer Exzentrik; der Traum einer Schwerelosigkeit endet in der Erbärmlichkeit unserer triebgesteuerten Existenz. Die Flucht der Figuren vor der Welt, vor dem Erlebten in eine Gedankenwelt bis hin zur Flucht in die Regression spiegelt sich in uns und unseren Reaktionen: vom Zuhören und Dasein bis hin zum irritierten Wegschauen. Regisseur Johannes Erath sieht im „Triptychon“ einen Spiegel sowohl unserer größten Sehnsüchte als auch unserer tiefsten Abgründe.