Die Neue Oper Wien gibt es seit 1990, sie hat sich auf modernes
Musiktheater spezialisiert und damit dem Mangel an zeitgenössischer Oper abgeholfen, der zu Beginn der 1990er Jahre in Wien und Österreich noch immer herrschte. Kompromisslos stehen seit 1994 ausschließlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts auf dem Spielplan. Neuentdeckungen, Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen bilden das Zentrum unserer Arbeit. Daneben wird aber auch moderne Opernliteratur wieder erweckt, die durch die Zeitläufte aus dem Repertoire verschwunden ist.
Die seit Jahren anhaltende Wiener Britten-Begeisterung verdankt ihren Auslöser der Neuen Oper Wien, die 1996 den „Billy Budd“ erstmals in Österreich aufführte. Und auch die erste szenische Umsetzung von Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ realisierte 2003 die Neue Oper Wien und sorgte durch einen sensationellen Erfolg für internationales Aufsehen.
Ohne eigene Spielstätte und fixes Ensemble will die Neue Oper Wien unbelastet und flexibel bleiben, ihr Credo ist nicht nur die Erschließung neuer Klangwelten, sondern auch neuer
Räume und Spielstätten. Mit dem Konzept, sich die Häuser nach den Opern auszusuchen, werden die Räume zu Mitspielern, die Bühnenbilder werden eng an die jeweiligen Räume angepasst, die Akustik wird im neuen Raum erprobt und entwickelt.
Die Neue Oper Wien zeigt unter der Leitung von Walter Kobéra, dass Innovation und Publikumszuspruch einander nicht ausschließen und dass „moderne Oper“ und innovative Inszenierungen kein „Schreckgespenst“ für Musikliebhaber bedeuten, sondern zur intensiven Diskussion anregen. Musiktheater als Ort der inhaltlichen und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung wird bei der Neuen Oper Wien gelebt. Das
Labor „Neue Musik“, wo Komponist, Librettist und Produzent eng zusammenarbeiten, wird in den nächsten Jahren weiter geführt und entwickelt werden.